

Sie kam für die Wahrheit. Dass die Wahrheit sie zurückwollen würde, hatte sie nicht erwartet. Die Journalistin Mira Hale reist in das abgelegene Bergstädtchen Vargaria, um einer Geschichte über verschwundene Wanderer und ein Schweigen nachzugehen, das niemand brechen will. Mit fünfunddreißig Jahren, roh vor Schmerz und bewaffnet nur mit Fakten und trockenem Witz, rechnet sie mit Folklore und Sackgassen. Stattdessen findet sie Leonal Dravien — einen Mann, dessen Berührung Feuer durch ihre Adern jagt, dessen Augen im Dunkeln bernsteinfarben glühen und dessen Hände nicht ganz menschlich sind. Er warnt sie, nach Sonnenuntergang drinnen zu bleiben. Er schwört, sein einziger Auftrag sei es, sie am Leben zu erhalten. Doch als ein Fetzen blutbefleckten blauen Stoffes sie an den Waldrand lockt, begreift Mira, dass dieses Tal nach anderen Regeln spielt. Alte Gesetze. Uralte Begierden. Und Mächte, die erwachen, wenn die Sonne untergeht. Gefangen zwischen verfeindeten Kräften, die sie als Schachfigur betrachten, muss sie entscheiden, wie viel von sich selbst sie preisgeben will — und ob die größte Gefahr in diesen Bergen ausgerechnet die ist, in die sie sich verliebt.