Marias Worte hingen in der gefliesten Stille, hallten von den Spiegeln und dem Marmor wider.
Anya stand wie angewurzelt, den Lappen noch immer gegen die Brust gedrückt. Ihr Gehirn weigerte sich, es zu verarbeiten. Männer wie Damian Blackhall, die Inseln besaßen und Skylines verschoben, wussten nicht, dass Menschen wie Anya Ivanova existierten. Sie lebte im Dreck und schrubbte den Schmutz von den Schuhsohlen seiner Angestellten.
„Maria, das ist absurd." Sie versuchte, ihren Arm loszureißen; der Griff wurde fester. „Die haben mich mit jemandem verwechselt. Vielleicht meinen sie Anna von der Frühschicht, die eine aus der Kantine?"
„Er hat Anya Ivanova gesagt. Die Reinigungskraft von der Nachtschicht." Maria schnitt ihr das Wort ab. „Er hat nach dir gefragt. Beim Namen. Jetzt geh, schnell. Einen Mann wie ihn lässt man nicht warten."
„Schau mich an." Sie deutete auf sich selbst, die formlose graue Uniform feucht vom Putzwasser, der Bleichfleck am Oberschenkel, das Haarnetz, das ihren schlampigen Dutt platt drückte. „Ich kann ihn so nicht sehen. Ich rieche wie ein Schwimmbad."
„Du hast keine Wahl." Maria schob sie hinaus in den leeren, hallenden Flur der 78. Etage. „Lastenaufzug. Jemand erwartet dich dort. Geh."

Anyas Beine bewegten sich wie von selbst. Der Lastenaufzug, natürlich. Nicht die gläsernen, die den Blick über die Stadt freigaben. Sie war die Hilfe; die Hilfe nahm den Dienstaufzug.
Ihre Gedanken rasten ihr den Korridor entlang voraus. Entlassung war immer noch die wahrscheinlichste Antwort, und sie ergab trotzdem keinen Sinn. Warum sollte ein Milliardär eine Putzfrau persönlich entlassen? Er musste nur mit den Fingern schnippen, und ihre Schlüsselkarte würde aufhören zu funktionieren, und sie würde aufhören zu existieren in seiner Welt.
Oder die Frau aus dem Café. Der Chanel-Anzug. Irgendeine Wichtige. Hatte Anyas kurzes Zögern heute Morgen wie Unverschämtheit gewirkt? Wenn sie sich direkt an die Spitze beschwert hatte, wäre die Demütigung vollständig. Und der Zeitpunkt. Dieses Einkommen jetzt zu verlieren war nicht bloß grausam; es bedeutete das Ende der Wohnung, und nach der Wohnung gab es kein Nirgends mehr.
Die schweren Stahltüren schoben sich auf, noch bevor sie den Knopf berührte.
Ein Mann stand darin. Nicht einer der üblichen Techniker in blauen Overalls mit Kaugummi und Podcast. Dieser trug einen schwarzen Anzug, eng genug geschnitten, um wie eine Rüstung auszusehen, ein klares Ohrhörer-Kabel, das sich in ein Ohr ringelte, die Füße schulterbreit aufgestellt. Er wirkte weniger wie ein Hausmeister als wie ein Personenschützer auf einem Einsatz.
Sein Blick glitt über sie, kalt und ausdruckslos. Keine Verachtung. Kein Mitleid. Er sah keine Frau, keinen Menschen. Er sah ein Paket, das von einer Etage in die nächste zu befördern war.
„Ms. Ivanova?" Seine Stimme war so steril wie der Flur.
Sie nickte. Ihre Kehle war voller Sand.
Sie trat ein. Der Aufzug war größer als ihre Wohnung, mit den grauen Steppdecken ausgepolstert, die man zum Möbeltransport verwendet. Der Bleichgeruch, der von ihrer Uniform ausging, fühlte sich in dem engen Raum obszön an. Der Mann roch nach teurem Seifenschaum und Waffenöl. Sie kam sich vor wie etwas, das man sich einfangen konnte.
Er steckte einen Schlüssel ins Bedienfeld und drückte die 80. Die Kabine fuhr hoch, schnell und geschmeidig, ohne das Rumpeln der anderen. Ihre Ohren drückten. Sie beobachtete, wie die Zahlen über der Tür weiterzählten. 78. 79. 80.
Die Türen öffneten sich.
Sie hatte sich auf ein Büro gefasst gemacht, Großraum, ein klingelndes Telefon, eine Empfangsdame. Das hier war nichts davon. Es lag irgendwo zwischen einer Galerie und der Lobby eines Hotels, das keine Menschen wie sie aufnahm. Der Boden war eine einzige Platte aus schwarzem Marmor, auf Spiegelhochglanz poliert, und ihr eigenes verzerrtes Spiegelbild sah von unten zu ihr herauf. Die Wände waren Milchglas, von innen mit warmem Gold beleuchtet. Die Luft war kälter hier, gefiltert, und roch nach absolut nichts.
Weit hinten im Raum, hinter einem breiten Schreibtisch aus demselben schwarzen Marmor, saß eine Frau. Makellos, das Haar in einem strengen Chignon, das Make-up präzise, ein Headset, das wie Schmuck aussah. Sie blickte nicht auf.
„Führen Sie sie hinein", sagte sie in die Luft.
Der Mann gab Anya einen leichten Schubs nach vorne. „Bitte hier entlang."
Er führte sie einen Flur entlang, der wie aus einem einzigen Stück dunkler Nussbaum geschnitten wirkte, das Licht gedimmt und auf Gemälde gerichtet, die wahrscheinlich mehr gekostet hatten als die Krankenhausstation, auf der Anyas Mutter gestorben wäre. Ihre Gummisohlen quietschten bei jedem Schritt auf dem Boden.
Quietsch. Quietsch.
Jedes Geräusch verkündete, dass sie nicht hierher gehörte, dass sie Schmutz war, der in einen Reinraum geraten war. Sie wollte schweben, irgendetwas tun, nur nicht dieses Geräusch machen.
Der Flur endete an einem Flügelpaar, drei Meter hoch, dunkles Holz, keine Griffe. Der Mann blieb stehen, berührte seinen Ohrhörer, lauschte etwas, das sie nicht hören konnte, und nickte einmal.
Die Türen schwangen von selbst auf, nach innen, lautlos.
„Ms. Ivanova, Sir", sagte der Mann zum Rücken des Mannes im Raum.
Anya trat mit einem kleinen Schritt über die Schwelle. Der Mann blieb, wo er war. Die Türen schlossen sich hinter ihr mit einem leisen, endgültigen Klicken.

Ihr gesamtes Wohnhaus in Queens hätte in dieses Büro gepasst.
Drei der Wände waren Glas, vom Boden bis zur Decke, und dahinter lag New York ihr zu Füßen, ein Lichtfeld, das bis zum Horizont reichte. Die Taxis, die Sirenen, das Geschrei — nichts davon drang hier herauf. Es war ein Stummfilm, und er spielte nur für ihn.
In der Mitte davon, mit dem Rücken zu ihr, stand der Mann.
Damian Blackhall.
Größer als die Boulevardblätter ihn darstellten. Ein marineblauer Anzug, eng an seine Schultern geschnitten. Er bewegte sich nicht. Eine Hand in der Tasche, die andere um ein Tumblerglas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit, blickte er auf die Stadt hinab, die er als die seine betrachtete.
Anya stand wie eingefroren, die Hände ineinander geknäult, damit sie nicht zitterten. Ein einzelner Schweißtropfen glitt ihr unter der Uniform den Rücken hinunter. Sie wagte nicht, sich zu räuspern. Sie wartete darauf, dass er sich umdrehte und zur Kenntnis nahm, dass sie da war.
