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Karin

Karin

Wahre Gefühle 📖

Die Ehefrau, die Geliebte, die Lüge

4.8(251)
Kapitel 1 · 5 Min. Lesezeit
5.4K
#RomantischerThriller#ForbiddenLove#AgeGap#SlowBurn#IceQueen
Ich suchte nach der Frau, die meine perfekte Ehe zerstörte, nur um zu erkennen, dass ich mich viel lieber von ihr ruinieren lassen wollte.

— Die perfekte Fremde

Die Wohltätigkeitsgala sollte eigentlich ereignislos verlaufen – ein weiterer eleganter Abend mit aufgesetztem Lächeln, Champagnergläsern, die ein wenig zu oft gehoben wurden, und Gesprächen, die nie den Kern der Sache berührten.

Zwölf Jahre lang hatte Helen die Kunst perfektioniert, solche Veranstaltungen an der Seite ihres Mannes, Daniel Hart, zu besuchen. Ein gefeierter Chirurg, Vorstandsmitglied, Philanthrop … und ein Mann, der Perfektion fast so sehr liebte wie sie. Vielleicht, zeitweise, sogar noch mehr.

Sie hatte sich mit mechanischer Präzision angekleidet: das schwarze Seidenkleid, das Daniel bevorzugte, der dezente Schmuck, von dem er sagte, er „passe zu ihrer ruhigen Persönlichkeit“, und ihr Haar zu einem glatten Knoten hochgesteckt, weil „es ihr Gesicht reifer einrahmte“. Reifer. Mit achtunddreißig. Sie versuchte, nicht darüber nachzudenken.

Helen betrat den Ballsaal, begrüßt von einer Welle aus Geigenklängen und leisem Lachen. Alles unter den Kronleuchtern funkelte: Kristallgläser, Paillettenkleider, Daniels strahlendes Lächeln, während er durch den Raum glitt und Hände schüttelte. Sie beobachtete ihn einen Moment lang – wie selbstbewusst er sich bewegte, wie die Menschen vor ihm zurückwichen, als wäre er eine Naturgewalt. Eine Frau wie Helen war eine Ergänzung, ein raffiniertes Accessoire. Früher hatte sie geglaubt, das bedeute Sicherheit. In letzter Zeit fühlte es sich eher wie Unsichtbarkeit an.

Sie atmete tief ein, straffte die Schultern und mischte sich unter die Menge. In diesem Moment sah sie sie.

Eine Frau, die sie nicht kannte – jung, strahlend, von jener Art Schönheit, die die Leute innehalten ließ, ohne dass sie es zugeben wollten. Sie stand am Rand des Raumes, die Finger am Stiel einer Champagnerflöte, und beobachtete die Szene mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen. Dichte, dunkle Wellen umspielten ihre nackten Schultern. Ihr Kleid war in einem zarten Roségold gehalten und schmiegte sich an ihre Kurven, wie flüssiger Satin über warme Haut gleiten würde.

Etwas an ihrer Präsenz wirkte elektrisierend. Kühn. Unerschrocken. Und beunruhigend … interessiert.

Ihre Augen trafen sich für einen winzigen Augenblick, und Helen spürte – völlig unerwartet – ein Ziehen tief in ihrer Brust. Die Fremde hielt ihrem Blick stand, als hätte sie nur darauf gewartet, dass Helen zu ihr sah. Etwas Stilles und Aufgeladenes ging zwischen ihnen vor sich – ein Erkennen? Eine Warnung? Helen konnte es nicht sagen. Die Frau lächelte langsam und vertraut, als wüsste sie ein Geheimnis, das Helen verborgen blieb.

Helen wandte den Blick als Erste ab. Sie steuerte das Buffet an, weil sie Abstand zu dem brauchte, was das auch immer gerade war. Sie goss sich gerade ein Glas Mineralwasser ein, als die Frau neben ihr auftauchte, so nah, dass sich ihre Schultern fast berührten. Ihr Parfüm wehte herüber – warmer Bernstein, Zitrusnoten und etwas zart Süßes.

„Ein schöner Abend, nicht wahr?“, sagte die Fremde. Ihre Stimme war wie Samt mit einer gewissen Schärfe – jung, aber nicht unerfahren.

„Das ist er“, erwiderte Helen vorsichtig und beherrscht. „Wenn auch ein bisschen laut für meinen Geschmack.“ „Das ist wohl wahr“, sagte die Frau lächelnd. „Aber auf solchen Versammlungen … passieren die interessantesten Dinge manchmal gerade im Lärm.“

Helen wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. Oder was sie mit dem Blick der Frau anfangen sollte, die nicht höflich wegsah, sondern sie mit fast schon sinnlicher Neugier musterte, als würde sie den Einband eines Buches lesen und sich die Handlung dazu vorstellen.

„Ich bin Sophie“, sagte sie und reichte ihr die Hand. „Helen.“

Ihre Finger berührten sich, weiche Haut auf weicher Haut. Ein kurzer, harmloser Händedruck. Außer dass er ganz und gar nicht harmlos war. Sophies Griff war warm und verweilte einen Herzschlag zu lang, als wollte sie Helens Reaktion testen. Helen stockte der Atem, bevor sie es verhindern konnte.

„Schön, dich kennenzulernen, Helen“, murmelte Sophie, wobei ihr Blick auf eine Weise nach unten glitt, die Helens Puls beschleunigte. Dann ließ Sophie ihre Hand los und hinterließ ein schwaches, prickelndes Gefühl.

Helen straffte sich. „Bist du mit jemandem hier?“ „Nein“, sagte Sophie. „Ich bin nur … interessiert an den Menschen, die solche Veranstaltungen besuchen.“ „Interessiert?“ „Von Natur aus neugierig.“ Sie legte den Kopf schief und betrachtete Helen unverhohlen. „Manche Menschen sind faszinierend zu beobachten.“

Helen wusste nicht, ob sie sich geschmeichelt oder unwohl fühlen sollte. Sie blickte durch den Raum und entdeckte Daniel, der von Kollegen umringt war. Sophie folgte ihrem Blick und stieß ein leises, nachdenkliches Geräusch aus.

„Das ist dein Ehemann, nicht wahr?“, fragte sie. Helen blinzelte. „Ja … kennst du ihn?“ „Nein“, sagte Sophie leichtfertig. „Noch nicht.“

Etwas in ihrem Tonfall – subtil, aber unmissverständlich – brannte sich unter Helens Haut ein. Eine Frau sagte nicht „noch nicht“, wenn sie nicht vorhatte, jemanden kennenzulernen. Es sei denn, sie wollte etwas.

Bevor Helen antworten konnte, trat ein anderer Spender an Sophie heran und begrüßte sie herzlich. Sophie wandte sich ab – doch ihre Augen ruhten noch einen letzten, langen Moment auf Helen, bevor sie davonlief. Eine nachklingende Spannung, eine stille Schwerkraft. Das Gefühl, dass ihr Gespräch nicht beendet, sondern nur unterbrochen worden war.

Helen atmete langsam aus. Sie wusste nicht, warum sich ihre Brust so eng anfühlte. Sie versuchte, wieder zu Daniel aufzuschließen, doch jedes Mal, wenn sie durch den Raum blickte, ertappte sie Sophie dabei, wie sie sie aus der Ferne beobachtete – prüfend, abschätzend, fast schon einladend. Nicht auf eine romantische Art, redete Helen sich ein. Nur … kühn. Zu kühn. Helen war es nicht mehr gewohnt, so angesehen zu werden.

Die Gala zog sich in die Länge. Komplimente verschwammen, Reden verschmolzen miteinander, Daniels Hand drückte gelegentlich Helens Rücken, gerade fest genug, um sie zu führen, aber nie genug, um ihr Sicherheit zu geben. Jedes Mal, wenn diese subtile Einsamkeit in ihr aufstieg, fand sie Sophie wieder – wie sie lachte, ihr Haar zurückwarf und zwischen den Gesprächen hin- und herglitt, als würde sie überall dazugehören. Helen hasste es, dass sie es bemerkte. Hasste es, dass Sophies Anwesenheit den Abend anders erscheinen ließ. Schärfer. Lebendiger.

Stunden später war die Veranstaltung zu Ende. Helen nahm ihr Schultertuch, verabschiedete sich höflich und trat schließlich hinaus in die stille Nachtluft. Kalter Wind küsste ihre nackten Schultern und holte sie in die Realität zurück.

Als sie nach Hause kamen, ging Daniel direkt ins Arbeitszimmer und lockerte im Gehen seine Krawatte. „Gute Veranstaltung heute“, rief er mit abgelenkter Stimme. „the foundation hat fast eine Million gesammelt.“ „Ja“, murmelte Helen, aber ihre Gedanken waren woanders.

Sie erledigte ihre Abendroutine, schlüpfte in ein seidenes Nachtgewand und setzte sich auf die Bettkante. Etwas nagte an ihr. Etwas, das sie nicht zugeben wollte. Daniel hatte sein Handy zum Laden auf dem Nachttisch liegen lassen, während er im Nebenzimmer an seinem Laptop E-Mails checkte. Es lag dort, schwarz und stumm auf der weißen Marmoroberfläche.

Helen griff nach ihrem Buch, doch ihre Hand hielt inne. Der Bildschirm leuchtete auf. Eine Benachrichtigung.

Sie hatte nicht die Absicht hinzusehen. Sie respektierte seine Privatsphäre; das war Teil ihrer stillschweigenden Vereinbarung. Aber das Handy lag direkt vor ihr, und die Nachrichtenvorschau war auf dem Sperrbildschirm aktiviert.

Eine einzige Zeile. Einfach. Vertraut. Falsch. Vermisse dich jetzt schon.

Helen stockte der Atem. Und unter dem Text … der Name des Absenders. Es war keine Nummer. Es war kein Kollege. Es war einfach als „S“ gespeichert.

Ihr Herz hämmerte schmerzhaft gegen ihre Rippen. Nein. Nein. Nein. Der Raum schien sich zu drehen. Sophie war keine Fremde. Sie war kein Zufall. Sie war nicht einfach nur „neugierig“. Sie kannte Daniel bereits. Und sie wollte, dass Helen es wusste.

Vermisse dich jetzt schon.

Helens Welt zerbrach in einem einzigen, lautlosen Herzschlag.